Overclocking mit dem Rampage V Edition 10

Overclocking mit dem Rampage V Edition 10

Wir haben in den ersten beiden Teilen den First Order PC beschrieben, nun folgt abschließend eine Betrachtung der Software und natürlich Overclocking

Bei einem selbst zusammengestellten Custom-PC in dieser Liga ist es selten mit dem reinen Zusammenbau getan. Die Gestaltung erstreckt sich naturgemäß auch auf die Software, das BIOS und Overclocking-Funktionen. Mehr Power, leiser, kühler, dynamischer, schneller, stabiler – es gibt viele Ansätze fürs Tuning. Allein schon, dass alles läuft wie es soll, ist nicht immer einfach.

Hier geht es zu den ersten beiden Teilen unseres Guides:

Rampage V Edition 10 mit Wasserkühlung
Welche Komponenten für das Rampage V Edition 10?

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The Force Unleashed

Bevor man sich dem Freilegen des vollen Potentials seiner Hardware widmen kann, muss sie erstmal vollständig installiert, mit aktuellen Treibern versehen und eingerichtet werden. In unserem Fall bedeutete dies die Migration des Betriebssystems auf die Intel 750 SSD und ein nachfolgendes Inplace Upgrade von Windows 10 Professional. Dann wurde das RAID0 mit den beiden Western Digital Red 4TB im BIOS eingerichtet und die Boot-Reihenfolge geklärt.

„At Stock“ also bei den automatisch gewählten Settings startet das Rampage sodann auch schon ins Windows, allerdings bleibt noch einiger Verbesserungsbedarf. Wer will kann gemäß dem Rog Overclocking Guide schon einem am Multiplikator für den Turbotakt drehen und benötigte Spannungen ausloten oder einfach mittels AI Suite 3 ganz einfach One-Click-übertakten. 

Jeder Chip ist anders, die Lotterie

Das Rampage V Edition 10 mit X99-Chipsatz ist wie gemacht fürs Übertakten. Wie weit man kommt, hängt aber stark von der CPU ab. Mit dem LGA 2011 v3-OC-Sockel sind Intel Haswell- und Broadwell-E CPUs sowie eine Reihe von Xeon-Server-Prozessoren kompatibel. Der 8-Kerner Core i7-5960X in unserem Beispiel beherrscht nicht alle aktuellen Features wie AVX Offset und der Speichercontroller erlaubt nicht ganz so flotten RAM wie bei Broadwell-E.

 

Der Speichercontroller (IMC) sitzt ebenfalls auf der CPU wie auch der PCIe-Controller. Nutzt man schnelleres RAM als die 2.133 MHz oder belastet mit mehreren Grafikkarten und SSDs sehr viele Lanes, so hat das natürlich Auswirkungen auf den Prozessor. Hier gibt es auch eine starke Streuung unter den Chips. Manche 5960X kommen gut klar mit 3.000 MHz DDR4, unserer nicht. Manche bevorzugen 125 MHz Baseclock (BCLK), unserer nicht.

Wie die Chemie der Hardwarekomponenten aussieht, gilt es erst einmal herauszufinden und an dieser Stelle ist das Rampage V Edition 10 sehr hilfreich bestückt. Auf dem beigelegten Stick befindet sich sinnvolle Software wie TurboV Core zum Übertakten im Windows, ROG CPU-Z und Boot Setting. Letzteres provoziert einen Neustart direkt ins BIOS. Dort können die als stabil herausgearbeiteten Einstellungen dann festgeschrieben werden.

Spannung, Takt, Endlosarbeit

Wer will, verliert sich im Overclocking. Das Rampage V Edition 10 bietet gefühlte 1 Million Einstellungsmöglichkeiten. Da der First Order PC auch im Alltag funktionieren muss, geben wir uns mit folgender Zielsetzung zufrieden: Deutliche Taktsteigerung bei moderater Spannungserhöhung und hoher Stabilität im Alltag. Die Kühlung ist dank des Monoblocks kein Problem. Unter Last hält der dicke 360er Radiator das Wasser mit 1.000 Umdrehungen pro Minute der Lüfter bei 36 Grad Celsius, die GPUs bei weniger als 50 Grad und die CPU bei ca. 60 Grad.

Der ROG Guide für Haswell-E-Overclocking zeigt, wo man in der Regel landen will: Zwischen 4,4 und 4,6(+) GHz bei 1,3 Volt Kernspannung. Wie hoch genau der Turbotakt sein darf, findet man mit TurboV Core und ASUS RealBench schnell heraus. Einfach den Multiplikator bei festgelegter Spannung von 1,3 Volt auf 44-46 erhöhen und mittels RealBench auf Stabilität prüfen.

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Mit guter Kühlung können kurzzeitig auch bis zu 1,4 Volt gegeben werden, die Erfahrung zeigt jedoch, dass oberhalb von 4,6 GHz die weiteren Taktsteigerungen oft mit unverhältnismäßig viel Spannung erkauft werden müssen. Der Build ist crazy aber nicht so crazy, als dass er für wenige Prozent mehr Leistung 100 Watt mehr verballert.

Wieviel Performance genug ist, welche Spannung noch optimiert werden soll, welche man Timings ausprobiert etc. liegt ganz beim Overclocker. Es kann leicht ausarten, zum Beispiel mit unterschiedlichen Turbotaktraten für jeden einzelnen CPU-Kern. Fürs erste reicht uns die Option „Sync all Cores“.

Vorsicht mit den Stresstests

Mit 250 bis 300 Watt ist der Verbrauch der CPU unter Last nicht zu unterschätzen. Mit aktuellen Versionen des Stresstests Prime95 (28.9) und dessen AVX2- sowie FMA3-Instruktionen können sogar 400 Watt Verlustleistung anfallen. Intels CPUs drosseln zwar ihren Takt bei Überhitzung, nach einer Weile sitzt da trotzdem ein 3x3cm Bügeleisen im Sockel.

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Unser Core i7-5960X schafft die 4,6 GHz bei 1,28 Volt stabil über mehrere Stunden durch RealBench und AIDA64 Stresstests. Er hat es auch mit weniger Spannung durchgehalten, fällt aber mit höherem RAM-Takt durch. Für den RAM kann man im Extreme-Tweaker des BIOS das XMP-Setting wählen, die Voreinstellung von 125 MHz BCLK und 3.000 MHz war jedoch bei so hohem CPU-Takt nicht mehr stabil.

Für den IMC musste die System Agent Voltage deutlich erhöht werden auf 1,17 Volt. Da auch der Cache mit 40 x 100 MHz übertaktet läuft, erforderte er 1,25 Volt. Ohne die Extra-Pins des ASUS OC-Sockets ist beim Cache meist bei Multiplikator 37 Schluss, ob mehr gehen als die 4 GHz zeigt die Zeit. Beim RAM half der Rückzug auf immer noch flotte 2.800 MHz, mehr ist dem 5960X nicht zuzumuten und im nächsten Schritt dürfen dafür vielleicht die Timings angezogen werden.

So viele Baustellen können wir hier allerdings nicht abdecken in der kurzen Zeit. Zusammengefasst fährt unser First Order PC mit diesen Einstellungen:

  • 8 x 4,6 GHz / VCore: 1,28V / Input-Spannung: 1,9V
  • System-Agent: 1,17V / Cache-Voltage: 1,25V
  • 800 MHz DDR4 / 16-16-18-36

Wir haben da ja auch noch zwei Grafikkarten:

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2,1 GHz sieht nett aus für die beiden Strix GTX 1080

Auch wenn sie wie in unserem Fall mit 45 Grad unter Last eigentlich sehr kühl laufen und Spannung sowie Power Target im ASUS GPU Tweak II bis ans Limit gestellt werden, treffen die meisten GeForce GTX 1080 bei 2,1 GHz auf eine Barriere. Bei uns beginnen die Artefakte beim Schritt von 2.114 auf 2.126 MHz. Das ist gar nicht tragisch, weil beide ASUS ROG Strix GeForce GTX 1080 die psychologische Schwelle von 2.100 MHz erreichen.

Beim Speicher bringt eine Erhöhung auf 5.400 MHz noch deutlichen Zuwachs, darüber stagnieren die Frameraten oder fallen sogar reduziert aus, weil die Timings angepasst werden. Damit zeigt 3DMark Firestrike Extreme einen Score von 19.834. Knapp unter 20k! 

Was besser geht

Zum Schluss wollen wir noch ein Fazit ziehen: Fantastisches Case, irre Hardware, spannende Kühlung und sehr viel Arbeit. Das sind die Eckpunkte eine Enthusiasten-PCs. 10 Jahre ROG heißt auch 10 Jahre Erfahrung mit diesen „Extremen“. Trotzdem, das bestätigen uns Casemodder, Overclocker, Gamer und Hardwarefreaks immer wieder, ist man nie zufrieden. Was an unserem PC besser gemacht werden könnte?

Nunja, die 90-Grad-Drehung des Mainboards im In Win S-Frame dreht alle Wasserkühler mit. Die sind eigentlich nicht für den vertikalen Betrieb ausgelegt und so
sammelt sich auch bei einer starken Laing DDC Pumpe mit 18W Leistung hier und da ein Luftdepot. Auch eine zweite Pumpe schafft es nicht, die rauszudrücken.


Die Pumpe ist auch nach optischen Gesichtspunkten positioniert, sie müsste jedoch direkt vom Ausgleichsbehälter beliefert werden. So ist das Befüllen ein komplizierter Akt, bei dem am besten ein weiterer Ausgleichsbehälter und eine weitere Pumpe zum Einsatz kommen. Schnelltrenner sind da Gold wert.

Nanoxia hat tolle Fittings, welche die PETG-Rohre beleuchten und spannend in Szene setzen. Das Unternehmen verwendet allerdings grüne Dichtungsringe, die ab und an hervorblitzen. Coolermaster Jetflo sind nur bis 1.100 Umdrehungen pro Minute erträglich. Intels SSD nutzt extrem haftenden Wärmeleitkleber, der Umbau ist nicht ungefährlich für die Hardware.

Das IO-Shield des Rampage V Edition 10 ist per Heatpipe mit dem VRM-Kühler verklebt. Ein Monoblock von EK bedeutet also den Verzicht auf drei (!) Beleuchtungszonen von AURA und das optisch ansprechende Shield. EK bietet eine AURA-kompatiblen Kühler, der auch gar nicht übel aussieht, aber vom Header des Boards gespeist wird und den Look mit Acetal-Deckel etwas verschiebt.

Die Entscheidung fiel zugunsten des „cleaneren“ Builds gegen das eigene, leuchtende ROG-Logo auf dem Monoblock. Wir wissen auch so, was wir an der Hardware haben. Die Heatpipe wurde übrigens kurzerhand zersägt, eine Lötlampe schmilzt den Kleber auch aber dafür muss die LED ausgebaut werden.

So wir wollen nicht weiter meckern und hoffen, euch gefällt unsere Starkiller-Basis mit ROG-Hardware.

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