ROG Camp 2016: Overclocking mit LN2

ROG Camp 2016: Overclocking mit LN2

600 Liter Flüssigstickstoff durften am Wochenende verbraten werden für den ROG Camp Overclocking-Workshop, den anschließenden Wettbewerb und die HWBot World Tour Finals. Die Weltmeisterschaft war noch am sparsamsten.

Oh ich bin positiv“, bemerkte der junge Österreicher mit Nickname „Tagg“ während des Setups und kippte etwas dampfenden Flüssigstickstoff in seinen Pot nach. Das Kühlmittel treibt die Temperatur nahe 200°C unter 0 und ermöglicht Spannungen, die CPUs unter Luft- oder Wasserkühlung sofort sterben lassen. Das passierte an diesem Wochenende mit einer CPU, trotz fachmännischer Anleitung der Stickstoff-Newbies durch Profi-Overclocker Roman „der8auer“ Hartung. Einer der Teilnehmer am ROG Camp, „SirTryAlot“ aus der Schweiz beschrieb es treffend: „Wenn die Hardware noch geht, warst du nicht am Limit“.

Der Weg dahin gestaltet sich meist als schwieriges Herantasten, die Settings werden Schritt für Schritt hoch- und die Temperaturen Schritt für Schritt heruntergetrieben. Als Luftkühler vergisst man schon mal das Nachkippen während langer Benchmarks in der Findungsphase. Aber dafür ist das ROG Camp da, es gibt Nachwuchs-Overclockern die Möglichkeit zum „Meet&Clock“ mit der Welt-Elite.


Vaseline fürs Board und den Speicher

Overclocking ist viel Glück, da kann es auch Überraschungen geben“, läutete Roman Hartung den Workshop ein. Insgesamt sieben Teilnehmer haben es aus zahlreichen Einreichungen nach Berlin zu Caseking geschafft, das Vorwissen für Übertaktung unter Wasser haben sie mit den höchsten Scores in einer ausgewogenen Benchmark-Landschaft nachgewiesen. Der8auer führte die Nachwuchs-OCer an LN2, den Flüssigstickstoff, heran. „Ihr müsst damit sehr vorsichtig umgehen“ riet er, während er sich die eiskalte Flüssigkeit über die Hand gießt. Dank einer dünnen Gasschicht erlitt er keine Erfrierungen. Gießt man sich den Stickstoff in den Handteller, sollte man aber auf keinen Fall auf diesen Leidenfrost-Effekt setzen.

Als erstes wurde die Hardware für den Workshop vorbereitet. Alle Teilnehmer durften ihr ASUS Maximus VIII Extreme mit Vaseline einschmieren. Zuvor hat das Mainboard durch Roman schon ein paar Schichten Plastidip bekommen. Diese Phase ist die wichtigste und erfordert viel Sorgfalt, ein unvollständig isoliertes Board könnte durch späteres Kondenswasser schnell den Geist aufgeben. Der DDR4-3733-MHz-RAM von Apacer erhielt die gleiche Behandlung. „Passt auf die Kontakte auf, schon kleine Verunreinigungen können euch später wertvollen Takt kosten“ rieten die anwesenden Profis.

Das OC-System umfasste noch eine SSD von Apacer, Seasonic steuerte Netzteile aus der Platinum-Serie mit 860 Watt bei.  Beide Komponenten sollten möglichst viel Distanz zum Fusion-3.1-Pot von der8auer halten, um nicht zu viel überkochenden Stickstoff und Dampf abzubekommen. Auch um die Kühltürme basteln die Overclocker mehrere Lagen Servietten, das Board und vor allem das RAM müssen vor der arktischen Witterung geschützt werden.


Die zu übertaktenden CPUs wurden aus Casekings Beständen unter mehreren hundert vorselektiert, damit Intel Core i7-6700Ks mit einheitlichem Taktverhalten für den Wettbewerb niemandem einen Vorteil in der Lotterie bieten. Alle Prozessoren wurden bereits geköpft. Auf dem DIE entleerten die Overclocker mehr als die dreifache Ladung Kryonaut-WLP von Grizzly, bevor der Heatspreader wieder aufgelegt wurde. Auch zwischen HIS und Pot landete eine kräftig aufgetragene, gleichmäßige Schicht.

Cracking, Coldbugs und Bluescreens

Das zweitschlimmste, nach dem Tod einer CPU, was beim benchen unter Zeitdruck passieren kann, ist Cracking. Hierbei springt die Wärmeleitpaste auf und die Risse verschlechtern den Wärmeübergang. Manchmal reicht es, die Paste auf 30°C über Null bis zum Verlaufen zu erwärmen, oft muss aber das komplette Setup umständlich wieder ab- und aufgebaut werden.

Ein zweites, aber weniger zeitaufwendiges Problem, ist der Coldbug. Gebencht wird bei -175°C bis -190°C, selbst speziell für Extrem-OC gebaute Boards wie das Maximus VIII Extreme booten jedoch erst wieder bei -160°C, wenn man Glück hat. Quittiert die Hardware zu „niedrige“ Spannungen oder zu hohen Takt mit einem Bluescreen oder Freeze, muss meist erst die Heatgun angeworfen und auf den Pot gestülpt werden.

Männer, die auf Benchmarks starren

Während und nach dem Workshop lief die Prozedur hundertfach und routiniert ab. Settings anpassen, kaltkippen, benchen, retry, kaltkippen, benchen, Freeze, aufwärmen, booten, kaltkippen, anpassen. Ein ständiger Wechsel zwischen Thermoskanne, Maus und Heatgun. Bei der Competition am zweiten Tag des ROG Camps trieben dann fast alle ihren 6700K an die 6 GHz, manche auch bis 6,45 GHz bei 2,018V. Wer nicht höher als 5,5 Ghz kam, hat eine „Krücke“ erwischt. Der8auer selbst hat die CPU für einen Rekord bereits auf über 7 GHz auf drei Kernen getrieben.

Die besten zwei Overclocker aus dem Wettbewerb des ROG Camps, Bene11660 und DSLREye, durften am Finale der HW BOT World Tour teilnehmen. DSLREye hätte es als Newbie sogar fast durch das erste K.O.-Duell mit dem erfahrenen Kanadier Marc0053 gebracht, wäre ihm ein Core i5-6600K nicht kurz vorher gestorben. Der Routinier kam jedoch weiter und holte letztendlich den Titel der HWBot World Series 2016, da der CPU-Tod bei DSLREye auch das Ausscheiden bedeutete. Überrascht über die großen Schritte der ROG-Camp-Teilnehmer in Richtung Extreme-OC waren auch die Kommentatoren von OC.tv, die das Wochenende live auf Twitch streamten: „Ein beeindruckendes Resultat, er hat gerade erst mit LN2 angefangen und macht morgen schon bei der Weltmeisterschaft mit“.

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Wir bedanken uns bei Bene11660, DSLREye, TAGG, websmile, SirTryAlot, noliso und Sporrdig für die Teilnahme und hoffen, dass alle bei der Leidenschaft für Temperaturen unter 0 bleiben. Der Dank des ASUS-ROG-Teams gilt auch den Partnern, die das Event möglich gemacht haben: Roman „Der8auer“ Hartung, Seasonic, Caseking, Grizzly, HWBot und Overclocking TV. 

Hier könnt ihr euch noch das Finale der HWBOT World Tour 2016 ansehen:

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